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Wahlen

Presseecho

Gaildorfer Rundschau, 10. Februar 2011

Autor: Holger Ströbel und Klaus Rieder

Landkreis Hall. Mit Zugreisenden über die aktuelle Situation diskutieren - mit diesem Ziel brachen die SPD-Landtagskandidaten Pelgrim und Sakellariou gestern zu einer politischen Bahnfahrt durch die Region auf.

Der Junge in der Chicago-Bulls-Jacke hat sich seinen Sitz gefläzt, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Der Kandidat steht vor ihm, drückt ihm ein Info-Schreiben in die Hand. Ohne aufzublicken nimmt der Junge das Papier, überfliegt es, steckt es in die Tasche. Dann schließt er die Augen.

Mittwoch, kurz nach 7 Uhr in der Regionalbahn von Hall nach Heilbronn: Es ist Wahlkampf. Hermann-Josef Pelgrim und Nikolaos Sakellariou, die SPD-Kandidaten für die Wahlkreise Hohenlohe und Hall, sind im Doppelpack unterwegs. Kreuz und quer fahren sie per Bahn durch die Region. Es geht um die Zukunft des Nahverkehrs, vor allem aber um Stimmen. Am 27. März wird in Baden-Württemberg gewählt. Sichere Tickets in den Stuttgarter Landtag haben beide nicht.

Erster Halt Wackershofen. Draußen ist es noch dunkel. Die Türen öffnen sich, Nebel und Kälte kriecht herein. Alle Plätze sind besetzt. Viele Schüler und Berufspendler sind unterwegs. "Dass doch so viele mit der Bahn fahren", staunt Hermann-Josef Pelgrim, nach eigenem Bekunden kein ausgeprägter Nutzer des Schienennahverkehrs. In Öhringen steigen die Sozialdemokraten um in die S-Bahn. Pelgrim schnappt sich seinen Pilotenkoffer, Sakellariou den Karton mit den Prospekten. "Ich kann die SPD nicht wählen", sagt die Frau bestimmt und lehnt Pelgrims Brief ab. "Na", kontert der 51-Jährige, "aber informieren können Sie sich doch". Die Frau nimmt die Kopfhörer ab. Sie hadert mit der SPD, kritisiert die Haltung der Partei zu Stuttgart 21 und zum Börsengang der Bahn. "Ja, die Stuttgarter SPD hat viel falsch gemacht", gesteht Pelgrim. "Jedenfalls: Der Mappus muss weg", beendet die Frau die Diskussion. "An dieser Stelle sind wir einer Meinung", antwortet Pelgrim.

Drei jüngere Frauen sitzen in Bretzfeld an der Haltestelle und rauchen. "Das ist gruselig hier", entfährt es Sakellariou mit Blick auf den örtlichen Bahnhof. "Auch nicht besser als in Hall", meint Pelgrim. Er schlendert jetzt die Rampe für Rollstuhlfahrer entlang, die fast doppelt so lang ist als der Bahnsteig selbst. "Das ist Deutschland", sagt der Haller OB und schüttelt den Kopf - fürstlich das barrierefreie Bauwerk, verlottert der eigentliche Bahnhof. "Kann man hier irgendwo einen Kaffee trinken?", fragt Pelgrim das Teenager-Trio. Schulterzucken. Ein jüngerer Mann kommt zur Gruppe. Pelgrim möchte ihm eine Broschüre geben. "Nö", sagt dieser und lässt die Hände in den Hosentaschen. "Kein Interesse?", fragt Pelgrim - "nö". "Na, er ist ja auch noch jung", tröstet Sakellariou, der in Sachen Wahlkampf deutlich mehr Erfahrung hat als sein Parteifreund.

Inzwischen hat sich die Sonne durch den Nebel gekämpft. Es geht mit der Regionalbahn zurück nach Hessental. Draußen fliegt Hohenlohe vorbei. Monatskartenbesitzer Sakellariou schwärmt von früher. Da habe man auf dieser Strecke noch mit dem IC fahren können, inklusive Speisewagen. Mancher Zeitgenosse sei da eigens über Crailsheim und Aalen gefahren, habe den Ausblick genossen und unterwegs zwei gepflegte Weißbiere getrunken.

Im Waggon ist es leer geworden. Die Pendler sind am Arbeitsplatz, die Schüler im Klassenzimmer. Ab Hessental soll es weiter nach Gaildorf gehen. Der Zug hat 20 Minuten Verspätung. Passagiere frieren auf dem Bahnsteig. Der Wahlkampf geht weiter. "Wer sind Sie?" fragt ein umworbener junger Mann. "Ich bin der OB dieser Stadt", so die Antwort. "Und er will in den Landtag", ergänzt Sakellariou. Dann entsteht eine Diskussion. Für die Bahn hat keiner ein gutes Wort übrig. "Jetzt wollen sie in England Buslinien kaufen", echauffiert sich ein Herr mit Hut und Brille, "und wir fahren hier mit dem alten Glump herum". Dann geht es wieder um Stuttgart 21. Sakellariou hört zu und sucht nach einem Gegenargument. "In einer Demokratie", sagt er dann, "kann manchmal halt auch ein Scheiß bestimmt werden". Jetzt kommt der Zug nach Gaildorf. Es ist 9.31 Uhr. Außer den Politikern steigt am Westbahnhof niemand aus. Der Bahnsteig ist menschenleer. Der Kiosk scheint geschlossen zu sein - wieder nichts mit einem Kaffee. Ohnehin wäre wegen der Verspätung dafür keine Zeit.

Die Situation macht Pelgrim einige Sorgen. Er zückt den neuen Generalverkehrsplan des Landes, gültig für die nächsten 15 Jahre, aus seinem Pilotenkoffer. Von Planungen in Hohenlohe oder im Landkreis Hall stehe da nichts drin, "weder in den Bahnkörper noch in die Bahnhöfe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man alles in diesem desolaten Zustand belässt." Wenn nicht jetzt die nötigen Verbesserungen aufgenommen würden, dann sei die Sache auf lange Zeit festgefahren. Da rauscht schon der Regionalexpress in den Gaildorfer Bahnhof ein - diesmal pünktlich. Er bringt die beiden Wahlkämpfer wieder zurück nach Hall.